Fallstudie: Die Futtermittelindustrie in China und Russland
Herausforderung an die Futtermittelindustrie in Ländern mit schnell wachsender Wirtschaft
Interview mit Hans van der Waal
Hans van der Waal bearbeitet in seiner Eigenschaft als Market Development Manager für BESTMIX® Futtermittelformulierungssoftwarebereits seit einigen Jahren die Märkte in Asien und Russland. Im Rahmen dieser Aufgabe koordiniert er auch die Aktivitäten der Vertriebspartner in Korea, Russland, China und Polen.
Bevor er diese Funktion übernahm, kümmerte sich Herr van der Waal 20 Jahre lang für ADIFO um die westeuropäische Futtermittelindustrie. Er war daher über die Jahre hinweg ein enger Beobachter der Entwicklung der Futtermittelindustrie und kann seine Erfahrung mit dem vergleichen, was in Asien und Russland vor sich geht.
Sie kennen die Futtermittelindustrie seit vielen Jahren und haben ihre Entwicklung in Europa beobachtet. Inzwischen arbeiten Sie seit einigen Jahren auf den Futtermittelmärkten Asiens und Russlands. Sehen Sie viele Unterschiede zwischen diesen Wachstumsmärkten für Futtermittel?
Hans van der Waal:
Die Hauptunterschiede hängen damit zusammen, wie weit die Marktentwicklung der Länder ist.
Hier ein paar Beispiele: Der koreanische Markt ist über die Jahre stetig gewachsen, aber er ist bereits weit entwickelt und hat seine Wachstumsgrenzen erreicht. Das führt zu einer Marktkonsolidierung und zu Übernahmen. Die Branche legt die Betonung auf Effizienz.
In Russland sieht das ganz anders aus: Kurz nach dem Ende des Kommunismus erlitt die Branche einen schweren Rückschlag. Daraufhin wurde lange Zeit nichts in diesen Markt investiert. In den letzten Jahren ist die Futtermittelindustrie wieder gewachsen und ihre Lage verbessert sich durch lokale und ausländische Investoren. Bereits seit einiger Zeit erkennt die Branche in Russland, dass sie ihre Umsätze nur mit neuen Technologien steigern kann. Daher steht man ihnen dort sehr offen gegenüber. Das Geld für Maschinen, Software und Beratung ist erst seit Kurzem verfügbar, aber jetzt holen die Russen schnell auf.
China befindet sich noch in einer frühen Marktentwicklungsphase. Es ist ein schlafender Riese, der jetzt aber schnell aufwacht. In China können wir mit einem enormen Wachstumsschub rechnen. Viel Geld fließt dort in die Branche, aber der Schwerpunkt liegt darauf, größere Marktanteile und kurzfristige Gewinne zu erzielen. Niemand interessiert sich wirklich für langfristige Effizienz und besseres Management.
Rohstoffkosten sind heutzutage ein heißes Thema. Futtermittelhersteller müssen sich auf die Herstellung hochwertiger Futtermittel zu wettbewerbsfähigen Preisen konzentrieren. Wie geht die Futtermittelindustrie mit diesen Herausforderungen um?
Hans van der Waal:
Es ist entscheidend, die „besten“ günstigen (lokalen) Rohstoffe zu finden, und sie mit Zusätzen zu vermischen, sodass ein ernährungstechnisch optimales Futter für jede Tierart und für jedes Alter oder jede Leistungsstufe entsteht. Daher benötigen Futtermittelhersteller die BESTMIX® Futtermittelformulierungssoftware und einen erfahrenen Ernährungswissenschaftler. Die europäische Futtermittelindustrie ist in diesem Zusammenhang weit fortgeschritten, aber China und Russland stehen noch am Anfang. Eines der Hauptprobleme in beiden Ländern ist, dass es dort keine exakten Datenbanken mit durchschnittlichen Nährstoffwerten für jeden Rohstoff gibt, wie sie die CVB in den Niederlanden veröffentlicht, und auch keine Laboranalysen ihrer eigenen Rohstoffe. Wenn sie jedoch nicht die genauen Inhaltsstoffe ihrer Rohstoffe kennen, ist es unmöglich, hochwertige Futtermittel herzustellen.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Futtermittelindustrie in Ländern mit schnell wachsenden Volkswirtschaften wie China und Russland?
Hans van der Waal:
In diesen Ländern entwickelt sich die Futtermittelindustrie schnell. Die Branche profitiert vom wachsenden Wohlstand und dem hohen Eiweißbedarf. Dieser steigende Wohlstand führt nicht nur zu einem höheren Verbrauch von Tierprodukten, sondern auch zu höheren Anforderungen an Qualität und Nahrungsmittelsicherheit. Traditionell war die Futtermittelindustrie schon immer konservativ. Sie sollte allerdings Veränderungen rechtzeitig erkennen. Wenn sich Unternehmen zu lange auf Menge und niedrige Preise konzentrieren, dann ziehen andere an ihnen vorbei.
In einem wachsenden Markt hat das Erobern des größtmöglichen Marktanteils oftmals Vorrang. Fabriken schießen wie Pilze aus dem Boden. Irgendwann wächst der Markt jedoch nicht mehr. Das haben wir in der Vergangenheit in Europa erlebt. Dann muss die Aufmerksamkeit auf Effizienz und Erhalt des Marktanteils gerichtet werden. Das führt zu Firmenfusionen, größeren Betrieben und der Schwerpunkt verschiebt sich hin zur ernährungstechnischen Beratung des Kunden. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, sollten Futtermittelhersteller einen guten Überblick über ihre Aktivitäten bewahren, um die Effizienz zu steigern und bessere Entscheidungshilfen zu besitzen.
Konkret heißt das, unabhängige Abteilungen unter einem Dach zu zentralisieren. Selbstständige Fabriken benötigen eine integrierte Produktionsplanung. Unabhängig voneinander arbeitende Ernährungswissenschaftler sollten im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eng zusammenarbeiten. Das eigene Know-how des Unternehmens sollte durch Partnerschaften mit externen Forschungsinstituten verstärkt werden.
Außerdem sollten die Einkaufsabteilungen zentralisiert werden, ebenso wie die Abteilungen Produktion und Vertrieb. Um diesen Prozess zu vereinfachen, müssen Mitarbeiter ihre Arbeit auf gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Das Unternehmen sollte in Tools für integrierte Lösungen investieren. Unter Berücksichtigung von Benutzerprofilen (Zugangskontrolle) und Datensicherheit lassen sich anhand dieser modernen Tools Daten mit Lieferanten, Kunden und Forschungsinstituten austauschen. Ich würde Futtermittelherstellern raten, das Beste was heute erhältlich ist, zu verwenden, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.
Wenn Sie mehr über die Aktivitäten von ADIFO in diesen Ländern erfahren möchten, nehmen Sie bitte direkt Verbindung mit Hans van der Waal auf. E-Mail:
hans.van.der.waal@adifo.be
Mobiltelefon: +32.495.363675
Author:
Bea Van Deynse
Updated: 04.02.2008 10:46